Fotografieren im Freilichtmuseum Molfsee – der Guide für entspannte Motivjäger
Südwestlich von Kiel, eingebettet in eine sanft gewellte Endmoränenlandschaft, liegt eines der stimmungsvollsten Fotomotive Schleswig-Holsteins: das Freilichtmuseum Molfsee. Auf einem weitläufigen Gelände stehen hier mehr als 70 historische Gebäude aus dem 16. bis 19. Jahrhundert – Reetdachkaten, Bockwindmühlen, Schmieden, eine Dorfschule, Backhäuser und Scheunen – und ergeben zusammen ein begehbares Ensemble, wie man es zwischen Nordsee und Ostsee sonst nirgendwo findet. 1961 gegründet, gehört das Museum heute zur Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen und ist damit das älteste und größte Freilichtmuseum Norddeutschlands.
Wer zum ersten Mal durch die geschwungenen Wege streift, merkt schnell: Fotografieren im Freilichtmuseum ist hier keine Pflichtübung, sondern eine Einladung zum Bummeln mit der Kamera. Jede Landschaftsregion Schleswig-Holsteins – Geest, Marsch, Angeln, Holstein und Dithmarschen – hat ihre eigene Ecke. Und weil die Häuser nicht nachgebaut, sondern Stein für Stein aus ihrer ursprünglichen Heimat hertransportiert wurden, stimmen die Details vom Ziegelmuster bis zur verwaschenen Haustür. Genau das macht den Unterschied zu einer gestellten Kulisse.
Was das Molfsee für Fotograf:innen besonders macht
Anders als in vielbesuchten Sehenswürdigkeiten muss man hier nicht auf einen Moment ohne Menschen warten. Auf den weitläufigen Wiesen verteilt sich das Publikum, und schon wenige Meter abseits des Haupteingangs hat man die Höfe oft eine Weile für sich. Besonders in den frühen Vormittagsstunden oder am späten Nachmittag steht das Licht flach zwischen den Gebäuden und lässt Reetdächer, Holzfassaden und alte Obstbäume glühen. Im Frühjahr blühen Apfelgärten und Kopfweiden, im Herbst färbt sich das Laub rund um die Teiche – jede Jahreszeit bringt eine eigene Bildsprache mit.
Wer gerne Detailaufnahmen macht, findet in den geöffneten Häusern eine Fülle an kleinen Stillleben: gusseiserne Öfen, gescheuerte Dielen, handgeschmiedete Türbeschläge, Spinnräder an Fenstern, durch die das Licht in warmen Streifen fällt. Ein lichtstarkes Objektiv – etwa eine 35-mm- oder 50-mm-Festbrennweite – reicht hier völlig. Stative sind in den Innenräumen nicht erlaubt, aber dank der großen Fenster und hellen Dielen kommt man gut auch ohne zurecht.
Praktisches für regelmäßige Besucher
Das Museum ist ganzjährig geöffnet – der Außenbereich zu Kernzeiten, das 2021 eröffnete Jahr100Haus mit seinen wechselnden Ausstellungen auch in den Wintermonaten. Wer wie ich mehrmals im Jahr vorbeischaut, profitiert deutlich von einer Jahreskarte: Sie amortisiert sich nach zwei bis drei Besuchen und gilt zusätzlich in den Schwestermuseen der Stiftung. Kostenfreie Parkplätze direkt am Haupteingang und die gute Anbindung über die A215 (Abfahrt Molfsee) machen spontane Abstecher leicht – und genau solche spontanen Besuche liefern erfahrungsgemäß die besten Fotos.
Anzeige



